Die Fenix 3 im Langzeittest

Stilvoll, smart und solide – Die neue Garmin Fenix 3 erobert die Trails mit präziser Genauigkeit in feiner, harter Schale. Die graue Fenix 3 hat mich sowohl im Schneesturm bei minus 14 Grad als auch in die Sandstürme der Wüste Gobi begleitet und dabei keinen Kratzer davongetragen.

So mancher Betrachter hält die Uhr zunächst für eine Analoguhr mit Zeigern. Das neue, hochauflösende Farbdisplay lässt die digitalen Zeiger täuschend echt erscheinen und gibt der Fenix ganz neue Möglichkeiten.

Gobi March 2015-25

Russische Satelliten

Unter ihrem robusten Metallgehäuse verbirgt die Fenix sensible GPS-Empfänger für die amerikanischen Satelliten sowie für die der Russen. Die Positionsbestimmung dauert an einem neuen Ort mit ein bis zwei Minuten recht lang. Allerdings werden die letzten Positionen zwischengespeichert und eine erneute Satellitensuche an Orten in der Nähe dauerte im Test anschließend keine fünf Sekunden. Außerdem wählt die Fenix 3 automatisch die korrekte Zeitzone, was sie auf Reisen zu einem hilfreichen Begleiter werden lässt. Höhenmesser, Barometer und Kompass benötigen zum Betrieb kein GPS, können aber per GPS automatisch kalibriert werden. Das spart ordentlich Energie und Zeit.

Vergleich mit dem GPSMap 64s

Meine Hausrunde eignet sich hervorragend zum Vergleich der Fenix 3 mit dem großen Bruder GPSMap 64s. Die Laufrunde führt über sieben Kilometer auf schmalen Trails durch die Voralpen nahe Garmisch-Partenkirchen. Teile des Trails sind ausgesetzt, andere sind dicht bewaldet und stellen damit eine Herausforderung für GPS-Geräte dar. Das folgende Bild zeigt die aufgezeichneten Tracks beider Geräte. Der Track der Fenix 3 ist dabei rot dargestellt, der des GPSMap 64s blau.

Vergleich Fenix 3 - GPSMAP 64s

Das Aufzeichnungsintervall betrug bei beiden Geräten 1s und sie wurden beide am linken Arm getragen. Beide Geräte zeichneten sowohl mit den amerikanischen Satelliten als auch mit GLONASS auf.

Der Vergleich trifft keine Aussage über die Genauigkeit beider Geräte, welches Gerät die genaueren Werte liefert, ist nicht bekannt. Die Abweichung der Messwerte lässt trotzdem Rückschlüsse zu. Die Abweichung der gemessenen Distanzen beträgt mit 200 Metern knapp 3%. Das sind auf 100 Kilometer immerhin 3 Kilometer Unterschied. Sowohl die Fenix 3 als auch das GPSMap 64 zeichnen in diesem für GPS-Geräte anspruchsvollen Gelände einen Trail auf, der nah am gelaufenen Original liegt. Bei genauem Betrachten fällt auf, dass das GPSMap auch kleine Haken berücksichtigt, während die Fenix 3 diese vernachlässigt.

Hier die Messwerte:

GPS Fenix 3 GPSMap 64s 
Aufzeichnungsintervall 1s 1s
Gesamtdistanz 7,2km 7,4km
Anstieg 667 674m
Abstieg 668 676m
Ausgangshöhe 664 675
maximale Höhe 1326 1327

Die Höhenmesser beider Geräte kalibrieren sich beim Einschalten automatisch, deshalb sind die Ausgangshöhen beider Geräte unterschiedlich. Die maximale Höhe beider Geräte bei diesem Lauf ist erstaunlich ähnlich, obwohl die angegebene Höhe des Berges mit 1368 Metern noch etwas darüber liegt. Das folgende Foto zeigt die Höhenangabe der Fenix 3 auf dem Gipfel des Wank bei Partenkirchen in einer Höhe von 1780 Metern mit automatischer Konfiguration.

2015-04-19 13.04.24

Drahtlose Vielfalt

Der Akku der Fenix 3 hält im GPS-Modus mindestens 18 Stunden und im UltraTrac-Modus mit geringer Aufzeichnungsrate maximal 50 Stunden. Im Test hatte war Bluetooth permanent aktiviert, um meine Trainingseinheiten automatisch mit dem Smartphone zu synchronisieren. Dazu musste die Uhr ungefähr alle drei Tage aufgeladen werden. Die Bluetooth-Schnittstelle ermöglicht außerdem einige Smartwatch-Funktionen: So werden Anrufe und Nachrichten, die vom Smartphone kommen, per Vibrationsalarm von der Uhr angezeigt. Während dieser Aktivität kam es im Test zum einzigen Ausfall, bei dem die Uhr manuell zurückgesetzt werden musste. Zum Reset muss die Lichttaste 25 Sekunden lang gedrückt werden, bis die Uhr ausschaltet. Anschließend kann sie durch das Betätigen der Lichttaste wieder eingeschaltet werden.

Die Fenix 3 besitze eine ANT+-Schnittstelle zur Anbindung externer Sensoren wie zum Beispiel einen Brustgurt. Die integrierte WiFi-Funktionalität fällt in die Kategorie willkommener Luxus. Sie ermöglicht die Synchronisation der Trainingsdaten im Heimnetzwerk, während ihr unter der Dusche steht.

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Konfiguration am Handgelenk

Als Ultraläufer könnt ihr die Uhr auch im Zelt während des Wüstenlaufes umkonfigurieren, denn die Konfiguration kann nahezu vollständig ohne PC am Handgelenk erfolgen. Die Konfigurationsmöglichkeiten sind schier endlos. Besonders hilfreich finde ich die neue AutoClimb-Funktionalität, die ab einer Steigung von 2-3% automatisch auf eine Anzeige mit Steigungsdaten anzeigt. Während langer Anstiege habt ihr so die wichtigen Informationen automatisch im Blick.

Die AutoLap-Funktion ermöglicht die Konfiguration von Rundenzeiten nach Distanz. Bei langen Läufen lassen sich so damit die Zwischenzeiten gut überwachen.

Eine für mich überflüssige Funktion ist die Überwachung meiner Tagesaktivitäten wie Schrittzahl und zurückgelegte Distanz im Alltag. Der Inaktivitätsalarm schien völlig wahllos auszulösen und wurde von mir genervt deaktiviert.

Garmin Fenix 3
Garmin Fenix 3

Brauchbares Navi

Dank hochauflösendem Farbdisplay ergeben sich vielfältige Möglichkeiten zur Navigation: Aktivitäten, Strecken oder GPS-Punkte können über Garmin Connect auf die Uhr übertragen werden. Anschließend zeigt euch das Display eine kleine Karte an und führt euch zum Ziel. Während der Navigation entlang einer Route werden Abweichungen vom Track durch Warnungen signalisiert und die Fenix 3 berechnet eine geschätzte Ankunftszeit. Falls ihr euch mal verlaufen habt, bringt euch die TracBack-Funktion wieder zum Ausgangsort zurück — eine Funktion, die ich in unbekannten Regionen unglaublich praktisch finde.

Die Übertragung von Tracks auf die Uhr geht problemlos per Smartphone und per PC. Leider lassen sich GPS-Tracks aber nur am Computer und noch nicht per Smartphone-App in Garmin Connect übertragen. Ich habe zum Beispiel einen Track mit der Smartphone-APP GPSies gefunden, lade diesen auf meinem Telefon als Datei runter und kann ihn ohne den Umweg PC nicht auf die Uhr übertragen.

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Zusammenfassung

Die Fenix 3 ist mein treuer Begleiter im Alltag geworden. Das Design wirkt sportlich robust und trotzdem elegant. Die zahlreichen Funktionen der Uhr suchen bis dato ihresgleichen auf dem Markt. Besonders auf Langstrecken im Gelände ist die Fenix 3 hilfreich. Nach dem Lauf schreit sie nicht gleich nach dem Datenkabel, sondern kooperiert mit Android und iPhone. In Zukunft stehen für die Uhr mit Connect IQ auch Apps und Widgets bereit. Damit hat Garmin eine Lücke zu Suunto geschlossen.

In diesem Review habe ich einige der Funktionen der Fenix 3 vorgestellt, die für mich als Ultra-Läufer von besonderem Interesse sind. Die Informationen im Test stammen aus meinen Erfahrungen, Produktbeschreibungen des Herstellers sowie vom herausragenden Blog von Ray Maker. Falls ihr falsche oder unvollständige Informationen im Beitrag findet, schreibt mir einfach oder hinterlasst einen Kommentar.

GPS-Uhr Garmin Fenix 3
Preis (UVP) 499 €
Gewicht 82g
Barometrischer Höhenmesser ja
Kompass 3-Achsen
Akku-Betriebszeit (mit GPS) 16-50 Stunden
Akku-Betriebszeit (ohne GPS) 3 Monate
Wasserdichtigkeit schwimmtauglich
Aufzeichnungsintervall ab 1s

Thomas

Helle Köpfchen — Stirnlampen für Läufer

Wenn ich nachts auf meine dunklen Hausberge am Horizont blicke, sehe ich gelegentlich einen Lichtpunkt aufblitzen. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass er sich langsam bewegt. Egal ob als Wanderer, Läufer oder Skitourengeher — immer mehr Menschen wagen sich in völliger Dunkelheit vor die Tür und greifen dabei auf künstliches Licht zurück. Erst Entwicklung der weißen LED und leistungsfähige Akkus ließen die Stirnlampen auch für Läufer nutzbar werden. Der Trend geht mittlerweile sogar zur Zweitlampe. Für mich zählt eine Stirnlampe genauso zur Pflichtausrüstung wie ein Mobiltelefon. Besonders in den Wintermonaten, wenn die Tage kurz sind, bietet mir meine Lampe die einzige Möglichkeit, sicher über technische Trails zu traben. Allerdings müssen nicht gleich 400 Euro für einen beleuchtetes Stück Wanderweg ausgegeben werden. Oft reicht ein günstiges Modell völlig aus und der Markt bietet zahlreiche Modelle: Angefangen bei einfachen, preiswerten Lampen für weniger als dreißig Euro über minimalistische Notlampen bis hin zu Hochleistungs-Lampen mit Software-Steuerung ist für unterschiedliche Einsatzzwecke etwas geboten. Ich habe eine breite Palette aktueller und zukünftiger Modelle für euch getestet.

Geonaute OnNight 410

Geonaute OnNight 410

Kompakt, leicht und mit schwenkbarem Kopf liefert diese Stirnlampe der Decathlon-Tochter bei maximaler Leuchtkraft einen recht konzentrierten Lichtkegel, der auf einfachen Trails gerade ausreichend Licht bietet. Die Lampe lässt sich über einen Druckknopf über dem Lampenkopf gut bedienen, allerdings verstellt sich bei der Betätigung die Position des Kopfes leicht. Die Verarbeitung ist einfach aber solide und der integrierte Akku wird per USB-Kabel geladen.

Petzl Myo RXP

Petzl Myo RXP 2015

Die Myo liefert 280 Lumen über sagenhafte 45 Stunden und ist damit ein Favorit für lange Ultras und mehrtägige Abenteuer. Die neue Version der Myo RXP fällt sofort durch eine ausgewogene Gewichtsverteilung auf. Eine aufklappbare Weitwinkellinse erzeugt einen gleichmäßigen Lichtkegel im Nahbereich, ohne die Linse entsteht ein stark fokussierter Lichtkegel. Zusätzlich verfügt sie übern einen Boost-Modus. Eine durchdachte Konstruktion und der Betrieb mit drei AA-NiMH-Akkus ermöglichen einen schnellen Akkuwechsel. Die Bedienknöpfe sind etwas klein geraten aber die Lampe wirkt hochwertig und robust.

Black Diamond Icon

Black Diamond Icon

Die Icon ist der robuste Partner für Abenteurer. Auffällig ist der Akkupack mit vier AA-Akkus, der die Icon zum Schwergewicht werden lässt. Sie liefert für circa neun Stunden 200 Lumen und ist damit ein zuverlässiger Begleiter auf langen Touren. Das Gewicht wird durch ein dreiteiliges Band sicher am Kopf gehalten. Das Gehäuse ist sehr robust und stabil. Die Bedienung der verschiedenen Leuchtmodi erfolgt über einen gut zu bedienenden Druckknopf am Lampenkopf.

Petzl TIKKA RXP

Petzl Tikka RXP

Die TIKKA RXP ist ein Leichtgewicht, das mit der reaktiven Lichtsteuerung der NAO ausgestattet ist. Das Gewicht trägt sie lediglich am Lampenkopf und lässt sich daher gut im Gepäck verstauen. Sie eignet sich für den kurzzeitigen Gebrauch und als Ersatzlampe. Die Verarbeitung ist hochwertig und der Akku lässt sich problemlos tauschen. Lediglich die Bedienung der zwei kleinen Druckknöpfe erfordert Fingerspitzengefühl.

Sigma Mono HL

Sigma Mono HL

Die Mono HL eignet sich für sehr einfache Trails und als Notleuchte, da die Lichtausbeute begrenzt ist. Der Lichtkegel ist sehr zentriert und für den Fernbereich optimiert. Die Bedienung erfolgt über einen Druckknopf auf dem Lampengehäuse. Die Verarbeitung der Lampe ist einfach und der integrierte Akku wird per Micro-USB geladen.

Silva Trail Runner II

Silva Trail Runner II

Bei der Trail Runner II hat der Hersteller besonderen Wert auf einen optimalen Lichtkegel gelegt. Die Lichtausbeute der 140 Lumen ist deshalb nahezu perfekt. Das Gehäuse des Vorgängers wurde nochmals etwas verschlankt und die Verarbeitung erscheint noch hochwertiger. Bedient wird sie über einen seitlichen Druckknopf. Die Trail Runner II ist die optimale Lampe für Ultras und Trail-Läufer, die lange Nächte vor sich haben und auf ein ausgewogenes Preis-/Leistungsverhältnis achten.

Stirnlampen Geonaute OnNight 410 Sigma Mono HL Silva Trail Runner II Black Diamond Icon Petzl TIKKA RXP Petzl Myo (2015)
Maximale Helligkeit in Lumen 120 32 140 200 215 280
rotes Lichttd>

nein nein nein ja ja nein
Preis (UVP) in € 25,90 27,90 70 79,90 ja 99,95
Gewicht in g 100 54 122 245 110 185
Betriebszeit in Stunden bei > 100 Lumen 5 k.A. 30 k.A. 5 47
Betriebszeit in Stunden bei max. Helligkeit 7 5 30 9 2.5 45
Wasserdichtigkeit übersteht Spritzer k.A. übersteht Regen übersteht Untertauchen übersteht Spritzer übersteht Spritzer

Hochleistungs-Lampen

Die folgenden Stirnlampen zeichnen sich durch eine besonders hohe Lichtstärke und Reichweite aus. Sie benötigen dafür mehr Energie als die oben aufgeführten Modelle und erzeugen mehr Wärme.

Silva Trail Speed Elite

Silva Trail Speed Elite

Die zwei Hochleistungs-LEDs dieser Lampe erzeugen zwei unterschiedliche Lichtkegel: einen sehr breiten sowie einen sehr zentrierten. Die Ausleuchtung und die Lichtleistung der Lampe überzeugt auch auf technisch anspruchsvollen Trails. Die Verarbeitung wirkt hochwertig. Ein großer Knopf an der Lampe regelt die Beleuchtung in drei Stufen und ist leicht zu bedienen. Während die Lampe sehr leicht ist, brachte der Akkupack deutlich mehr auf die Waage und rutschte beim Tragen am Hinterkopf immer wieder in den Nacken.

Silva Power Trail

Silva Power Trail

Die Silva Power Trail ist ein flexibel einsetzbarer Flutlichtscheinwerfer mit der höchsten Lichtleistung im Test. Die Lampe lässt sich durch ihre großzügige Kopfhalterung bequem tragen. Die fünf LEDs sind sehr gut aufeinander abgestimmt und leuchten den Trail perfekt aus. Die Bedienung erfolgt über einen Druckknopf am Lampengehäuse. Viel Licht verlangt nach viel Leistung, deshalb muss der massive Akku in den Rucksack ausgelagert werden.

Petzl NAO 2015

Petzl Nao 2015

Die Petzl NAO überzeugt durch ihre Anpassungsfähigkeit und Leistung. Sie leuchtet im Nahbereich automatisch schwächer und wenn der Blick in die Ferne schweift, dreht sie die Leistung richtig auf. Das spart Akkuleistung und erzeugt eine ausgewogene Ausleuchtung auf dem Trail. Bei langem Betrieb lässt sich der Akku im Handumdrehen wechseln, allerdings verheddern sich die Bänder der Kopfhalterung sehr leicht. Die Lampe ist per Drehknopf gut bedienbar.

Lupine Neo X2

Lupine X2

Die Lupine X2 sorgt mit ihrer Lichtleistung und ihrer minimalistischen Bauart für ein zufriedenes Grinsen in den Gesichtern von Trail-Läufern. Für ihre Größe liefert sie sehr viel Licht, sorgt für eine gleichmäßige Ausleuchtung und die Akkuleistung ist für eine Nacht ausreichend.

Lupine Piko X4 SC

Lupine Piko X4

Die Lupine X4 SC ist das unangefochtene Highlight in der Oberklasse der LED-Lampen. Sowohl Lichtleistung als auch Akkuleistung sind absolut überzeugend. Die Verarbeitung ist sehr hochwertig, die Bedienung intuitiv und die Lampe lässt sich problemlos in kleinen Laufrucksäcken verstauen. Bei der X4 SmartCore (SC) kann der Ladezustand des Akkus jederzeit per LED am Akku abgelesen werden.

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Stirnlampen Silva Trail Speed Elite Lupine Neo X2 Petzl NAOstrong> Silva Power Trail Lupine Piko X4 SC
Maximale Helligkeit in Lumen 660 700 575 1300 1200
rotes Licht nein ja nein nein nein
Preis (UVP) in € 280 180 150 550 310
Gewicht in g 190 195 185 490 200
Betriebszeit in Stunden bei > 100 Lumen k.A. 14 8 20 21
Betriebszeit in Stunden bei max. Helligkeit 2.5 2.25 6.5 2.5 2
Wasserdichtigkeit übersteht Regen übersteht Untertauchen übersteht Spritzer übersteht Regen übersteht Untertauchen

So habe ich getestet

Für uns Trail-Läufer ist nicht nur die Kombination aus Betriebszeit und Lichtausbeute entscheidend, sondern ebenfalls das Handling und das Gewicht. So sind wir mit allen Lampen über die Trails getrabt und haben sie draußen für euch getestet. Währenddessen haben wir festgestellt, dass die Angaben zur Betriebszeit wie zum Beispiel bei der Black Diamond Icon nicht mit der realen Nutzbarkeit übereinstimmen. Angaben zu Lichtleistung einzelner Lampen sind nicht immer aussagekräftig. So liefert die Trail Runner II von Silva eine ausgesprochen gute Ausleuchtung, obwohl die Lichtmenge nicht im Spitzenfeld liegt. Zudem spielt besonders auf langen Läufen der Tragekomfort und in der Kälte das Handling eine wichtige Rolle. Hier wirkt sich die Erfahrung der Häuser Lupine, Silva und Petzl sehr positiv auf deren Modelle aus.

Was ist das Lumen?

Das Lumen ist vergleichbar mit den PS beim Auto. Diese photometrische Einheit des Lichtstroms bezeichnet die vollständige Menge des sichtbaren Lichtes einer Lichtquelle. Je mehr Lumen, desto heller. Einfache LED-Stirnlampen bieten so um die 100 Lumen. Der hellste Vertreter unserer Testreihe ist die Lupine mit 1300 Lumen.

Was steckt hinter LED?

Die Abkürzung LED steht für Light Emitting Diode, ein elektronisches Halbleiter-Bauelement, das Strom in nur eine Richtung durchlässt. Fließt der Strom in Durchlassrichtung, erzeugt die LED Licht. Die Lichtfarbe wird maßgeblich durch die verwendeten Materialien und den Aufbau der LED bewirkt. In diesem Jahr wurden drei japanische Forscher für die Erfindung der blauen LED mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Die blauen LED sind die Grundlage für unsere Stirnlampen, denn nur durch blaue LEDs kann weißes Licht erzeugt werden.

Entering Active Bear Area

Death Valley - Devils Golf Court
Death Valley – Devils Golf Court

Schier endlos schlängelt sich die schwarze Teerstraße über den letzten Gebirgspass, der uns aus dem lebensfeindlichen Death Valley führt. Dornenbüsche und vereinzelt Joshua Trees markieren erste Lebenszeichen. Der auf unserer Karte verzeichnete Owens Lake erweist sich als eine schlammige, versalzene Pfütze, die als Wasserreservoir für Los Angeles herhalten musste. Gegen 10 Uhr erreichen wir am Fuße der Sierra Nevada die verschlafene Siedlung Lone Pine. Der Name hält, was er verspricht, denn tatsächlich stehen hier die ersten echten Bäume, die wir seit vielen Meilen zu Gesicht bekommen. Statt Pferden rollen riesige Pick-Up Trucks mit Cowboys durch den Ort. Sonst hat sich hier in den vergangenen fünfzig Jahren scheinbar nicht viel verändert. Nicht umsonst diente Lone Pine den Studios aus Hollywood als Drehort für zahlreiche Wildwestfilme — zuletzt Django Unchained von Quentin Tarantino.

Lone Pine

Zwanzig Zoll Schnee

Erster Halt ist das Visitors Center. Dieses versorgt Wanderer mit Bärenkanistern und Kartenmaterial, bietet aber auch aktuelle Infos zu Touren, wie zum Beispiel die auf den Mount Whitney — einen 4421 Meter hohen Granitriesen, der majestätisch in der malerischen Kulisse hinter den bunten Fassaden der Häuser thront. Ein grauhaariger, gut beleibter Ranger mit Brille mustert mich argwöhnisch und warnt: “Zu Beginn des Trails liegen sieben Zoll Schnee, weiter oben zwanzig. Du brauchst Micro-Spikes, später Steigeisen und Eispickel.” Zum Glück kann er meine Gedanken nicht lesen, denke ich. Denn im Kopf überschlage ich bereits die Zeit für den Aufstieg. “Gibt es eine Spur oder muss ich selbst spuren?”, frage ich. Seine Augenbrauen heben sich und seine Stirn liegt in Falten: ”Ich weiß von sieben Bergsteigern, die erst kürzlich den Gipfel besteigen wollten”, entgegnet er mir.

Burger und Schmalz

Unser nächster Stopp ist das Mount Whitney Restaurant, ein Saloon, der über Jahrzehnte Filmgeschichte geschrieben hat wie alles hier. Porträts mit Autogrammen von John Wayne und Marilyn Monroe verzieren die Wände des Gastraumes und der Stammtisch ist voll besetzt. Die Einheimischen mustern uns. Zwei unglaublich langsame Kerle bedienen in Zeitlupe und stellen die obligatorischen Plastikbecher mit Chlorwasser und schwimmenden Eiswürfeln auf den Holztisch. Ich bin ungeduldig, denn die Uhr tickt unaufhaltsam. Gegen 11 Uhr steht ein saftiger Burger vor mir. Judy verdrückt ein gigantisches Omelett mit einem amerikanischen Biscuit und einer Schale Schmalz zum Nachtisch. Das reicht locker für einmal rauf und runter, denke ich.

Wenige Augenblicke später quält sich unser Jeep die Kehren zum Whitney Portal hinauf, vorbei an einem Schild mit der Aufschrift: “Entering Active Bear Area”. Auf die Straße konzentriert, bemerke ich im Augenwinkel Judys schockierten Blick auf dem Beifahrersitz. “Bären sind eigentlich ganz harmlos. Sie suchen nur Futter”, bemühe ich mich ihren Blutdruck wieder zu senken. Am Whitney Portal auf 2550 Metern liegt Schnee. Da bis zum Gipfel 17 Kilometer und 1800 Höhenmeter zu bewältigen sind, werde ich voraussichtlich in die Dunkelheit laufen. Behutsam quetsche ich zwei Stirnlampen und eine warme zweite Schicht in meinen Rucksack.

Mount Whitney Trail
Mount Whitney Trail

Mount Whitney

Kurz nach 12 Uhr sind unsere Nahrungsvorräte in der bärensicheren Box hinter dem Auto verstaut und ich trabe in kurzer Hose und T-Shirt in die Wildnis. Auf sonnigen Abschnitten ist der Trail teilweise trocken, größtenteils jedoch mit Eis und Schnee bedeckt. Zunächst umgibt mich dichter Urwald. Die Laubbäume tragen ein gelbrotes Gewand, dazwischen ragen Kiefern mit mächtigen Stämmen empor, deren faustgroße Tannenzapfen wie Dinosauriereier am Boden verstreut liegen. Der Untergrund ist weich und es duftet mild nach Nadeln. Ideales Bärenrevier. Ab und zu überhole ich Wanderer mit heillos überladenen Rucksäcken, die wie Karawanen durch den Schnee ziehen. Wenig später trabe ich über ein Plateau mit rundgeschliffenen Granitblöcken der Größe von Autos. Mein Herz pocht mittlerweile im Hinterkopf. Ein Blick auf meinen Höhenmesser verrät, dass ich mich auf 3600 Metern befinde. Ich erreiche das auf einem Plateau gelegene Trail Camp. Aus der Ferne beobachten mich drei Bergsteiger, die offensichtlich bereits ihr Nachtlager aufgeschlagen haben. Es ist jetzt 14 Uhr und sie liegen wie riesige, bunte Raupen in ihren Schlafsäcken auf Granitblöcken. Bärenfutter, denke ich.

Blick hinüber zum Sequoia Nationalpark

Ein schmaler, schattiger Steig im Schnee führt über die berüchtigten 99 Kehren zu einem Grat auf über 4000 Meter. Beim Erreichen des Grates treffe ich auf den legendären John Muir Trail, der von hier bis zum Yosemite Nationalpark führt. Vor mir steht ein Holzschild mit der Aufschrift: Sequoia Nationalpark. Mehrere tausend Jahre alt werden die riesigen Sequoias, die in diesem Park wachsen. Die goldene Abendsonne wärmt mein Gesicht und lässt die endlose Berglandschaft in mystischen Farben erstrahlen. Auf der drei Kilometer langen Traverse fehlt mir der Sauerstoff. In einem Moment der Unaufmerksamkeit schlage ich mir das Bein an einem scharfen Granitstein auf und schnaufe verbissen in Richtung Gipfel. Ein französisches Pärchen wandert mir entgegen und grüßt freundlich: “Bonjours, gleich bist du oben.” — endlich vernünftige Wanderer, denn sie behandeln mich Läufer nicht wie einen Außerirdischen.

Abstieg

Das Panorama vom Gipfel genieße ich in absoluter Stille allein, nur der Wind säuselt mir leicht um die Ohren. Wie mit Puderzucker bestäubt, versinken die Nachbargipfel im Abendlicht. Im Tal hingegen herrscht trockenes, wüstenähnliches Klima. Nach wenigen Minuten trete ich den Abstieg an, denn der eisige Trail erfordert höchste Konzentration. Als die Dunkelheit hereinbricht, liegen die technischen Abschnitte hinter mir. Trotzdem verliere ich auf einem weiten Granitplateau den Trail und befinde mich wenig später im weglosen Gelände und versinke im hüfttiefen Schnee. Es herrscht tiefste Dunkelheit — shit, denke ich. Denn selbst meine extrem leistungsstarke Stirnlampe erlaubt keine Fernsicht, um mir einen Überblick vom Gelände zu verschaffen. Mein Versuch, den Rückweg zu finden, scheitert. Oberhalb einer Felswand erblicke ich jedoch den Schein zweier Lampen. Zwar kann ich die Wand nicht einsehen, höre aber die Stimmen der Wanderer ganz deutlich. Mit ausreichend Adrenalin im Blut klettere ich die Wand hinauf und befinde ich wenig später wieder auf dem Trail. Gerade nochmal gut gegangen, geht es mir durch den Kopf, während ich im Mantel der Nacht ins Tal rase.

We Toss'Em They're Awesome!

John Wayne und Pizza

Wenn die Filmstars aus Hollywood in Lone Pine übernachten, sind sie im Dow Hotel zu finden. In Zimmer Nummer zwanzig hat John Wayne übernachtet, als er hier seinen letzten Film gedreht hat. Es ist der krönende Abschluss eines Wildwesttages und ein angemessener Ort um die von Steinen und Eiskrusten malträtierten Beine zu versorgen. Gegen 19 Uhr werde ich von einer der Ledercouches in der Lobby verschluckt und genieße den Charme dieses historischen Ortes, während unsere Wäsche gegenüber im Waschsalon rotiert. Die Pizzeria auf der anderen Straßenseite scheint ebenfalls legendär: “We Toss’Em They’re Awesome!” Immerhin servieren sie nach 21 Uhr noch vernünftige Pizza.

Hightech im Miniformat — der Garmin ForeRunner 620

Der Garmin ForeRunner (FR) 620 ist das Topmodell der GPS-Uhren von Garmin. Die Uhr ist in erster Linie für ambitionierte Läufer gedacht und fällt durch ihr geringes Gewicht von 43 Gramm und ihre geringe Größe auf, was sie im täglichen Gebrauch zu einem angenehmen und unauffälligen Begleiter am Handgelenk werden lässt.

Die Signalsuche nach Satelliten benötigt beim ersten Einschalten an einem neuen Ort etwas Zeit, der FR 620 merkt sich allerdings diese Position und findet das Signal beim nächsten Lauf bereits nach wenigen Sekunden. Der GPS-Empfang während des Trainings konnte uns überzeugen. Ein Beschleunigungssensor in der Uhr ermöglicht das Training im Gebäude auch ohne GPS-Empfang.

Eine kritische Eigenschaft vieler GPS-Uhren ist ihre Akkulaufzeit. Durch das sparsame LCD-Display hält der FR 620 im Uhrmodus bis zu sechs Wochen durch. Im GPS-Modus machte er bei unserem Test nach knapp 10 Stunden schlapp. Dieser akzeptable Wert reicht für kurze Ultra-Läufe. Aufgeladen wird der Akku über eine magnetische Klammer mit vier Kontakten, die per USB mit Computer verbunden werden muss. Dabei können gleichzeitig die Trainingsdaten an Garmin Connect übertragen werden.

Die Daten lassen sich jedoch auch per Bluetooth über das Smartphone (Android & iPhone) an Garmin Connect übertragen und somit in sozialen Netzwerken teilen. Die zusätzliche WLAN-Fähigkeit erwies sich im Test als äußerst komfortabel. So konnte die Auswertung der Trainingseinheit gleich nach der Dusche nach dem Training beginnen, denn die Uhr hatte die Daten bereits selbstständig über das bekannte Heimnetz an Garmin Connect übertragen. Die Uhr muss dazu nicht einmal abgelegt werden. Weitere Sensoren können über die weit verbreitete Ant+-Schnittstelle angebunden werden. Dem FR 620 fehlt die Track-Back-Funktion sowie die Möglichkeit zur Navigation bzw. zum Nachverfolgen eines Tracks.

Ein zusätzliches Highlight des FR 620 ist sein Touchscreen. Während die wichtigsten Funktionen über Knöpfe am Gehäuse bedienbar bleiben (Training Start / Stopp), werden große Teile der Menüführung über den Touchscreen gesteuert. Das ist komfortabel, effizient und erleichtert die Menüführung erheblich. Die Steuerung funktioniert mit einem verschwitzten Körper noch recht gut, bei Regen versagt sie jedoch vollständig.

Garmin Forerunner 620
Garmin Forerunner 620

Wer einen strikten Trainingsplan befolgt, kann sich online seine Einheiten zusammenstellen und anschließend die Wochen- und Tagespläne an die Uhr übertragen. Zusätzliche Features wie Bodenkontaktzeit, vertikale Oszillation und VO2-Max sind meiner Meinung nach Spielerei und führen zu keinen nennenswerten Erkenntnissen für das Training. Im Test wurde die Uhr aufgrund ihrer Größe schnell zu einem permanenten Begleiter im Alltag. Der FR 620 deckt alle wichtigen Funktionen für Läufer ab und durch seine vielen technischen Features ist die Handhabung angenehm und nicht sehr zeitaufwändig.

GPS Uhre: Garmin Forerunner 620
Preis in € 399€ (mit HF-Gurt)
Gewicht 43g
Barometrischer Höhenmesser nein
Kompass nein
Akku-Betriebszeit mit GPS max. 10 Stunden
Akku-Betriebszeit ohne GPS 6 Wochen
Wasserdichtigkeit duschtauglich
Aufzeichnungsintervall ab 1s

Kenianer als Erster auf dem Gipfel

Mittenwald – Was für ein Rennen. Im Tal herrschten tropische
Verhältnisse, die Strecke war so lang und so schwer wie nie zuvor und
ein Kenianer holte sich den Titel. Bereits vor dem Rennen standen die
Zeichen gut, denn über 400 Läufer waren gemeldet und der Himmel war
blau, ganz ohne Wolken. “Die Temperaturen sind ideal, es herrschen
fast tropische Verhältnisse hier”, sagt Bergwacht-Chef Heinz Pfeffer.
Auf jedem, der elf Kilometer langen Strecke, steht einer seiner
Mittenwalder Kameraden für den Notfall. Außerdem gibt es fünf
Verpflegungsstellen bis zum Gipfel. “Mehr als ausreichend”, meint
Pfeffer.

Blick von der Linderspitze auf die Bergstation der Karwendelbahn
Blick von der Linderspitze auf die Bergstation der Karwendelbahn

Auch die Österreicherin Sabine Reiner ist guter Dinge, denn erst vor
einer Woche holte sie Bronze bei der Europameisterschaft im Berglauf.
“Ich lasse es auf mich zukommen”, sagt sie wenige Minuten dem Start.
“Die Temperaturen sind auch nicht zu verachten.” Pünktlich um 14 Uhr
geben der Zweite Bürgermeister Gerhard Schöner und die Biathletin
Nadine Horchler den Startschuss, und das Feld der 343 angetretenen
Läufer sprintet los. Vom Zentrum des Ortes geht es zunächst auf
flachen 1,5 Kilometern Asphalt bis zum Berg. Dort wartet dann die
erste steile Rampe, eine Teerstraße. “Da kann man sich gleich
abschießen, wenn man die nicht kennt”, erklärt der Bergläufer Stefan
Paternoster, der hier zu den großen Favoriten zählt. Anschließend
folgen die Teilnehmer etliche Kilometer einer Forststraße, bis sie auf
einen schmalen Pfad treffen. Dieser windet sich in Serpentinen durch
Latschen hinauf zur Dammkarhütte. Dort beginnt der schwierige Teil der
Strecke.

Der Kenianer Isaac Kosgei gewinnt das Rennen überraschend
Der Kenianer Isaac Kosgei gewinnt das Rennen überraschend

“Es ist eine richtige Schinderei”, beschreibt es Paternoster treffend.
“Du machst einen Schritt und rutschst einen halben zurück”, sagt der
Kenianer Isaac Kosgei später. “Jeder Meter ist so hart.” Trotzdem kann
er sich etwas absetzen und seinen Vorsprung durch den Tunnel halten.
Wenige Minuten nach 15 Uhr erreicht er als Erster das überdimensionale
Fernrohr an der Bergstation der Karwendelbahn. Doch bis zum Ziel sind
es diesmal einhundert Höhenmeter mehr. “Wer ist das?”, fragte der
Organisator Kurt König überrascht. Bisher konnten sich die Kenianer
auf dieser anspruchsvollen Strecke nicht durchsetzen. Auf dem letzten
steilen Anstieg bis zum Gipfel der Linderspitze holt der Schotte
Robbie Simpson gefährlich schnell auf und die Zuschauer toben. Am Ende
trennten die beiden nur 43 Sekunden und Kosgei gewann das Rennen in
1:06:12 Stunden. Den dritten Platz sicherte sich der Kenianer Francis
Maina Njoroge, der nicht mit dem zähen Schotten gerechnet hatte. “Ich
dachte eigentlich, ich werde Zweiter”, sagte Njoroge nach dem Rennen.

Sabine Reiner (1. Frau) und ihr Freund Stefan Hubert
Sabine Reiner (1. Frau) und ihr Freund Stefan Hubert

Während den Männern die Strecke zu schaffen machte, fühlte sich Sabine
Reiner scheinbar pudelwohl. “Es war super abwechslungsreich und hat
mit voll taugt. Ich habe nicht ein Mal auf die Uhr geschaut.” Mit
einer Zeit von 1:14:27 Stunden ließ sie ihre Konkurrenz weit hinter
sich und siegte bei den Damen. Ihr Freund Stefan Hubert lief die
Strecke außerhalb der Wertung in 1:20 Stunden zum Training mit
Rucksack. Das Paar gehört zur Weltspitze der Bergläufer und befindet
sich mitten in der Vorbereitung auf die Berglauf Weltmeisterschaft im
September in den USA.

Licht am Ende des Tunnels. “Ganz ehrlich, der Tunnel ist heftig”, sagt Sabine Reiner, nachdem sie den Tunnel durchquert hat.
Licht am Ende des Tunnels. “Ganz ehrlich, der Tunnel
ist heftig”, sagt Sabine Reiner, nachdem sie den Tunnel durchquert
hat.

Die schnellen Läufer sind allerdings nur ein kleiner Teil der
Athleten, die sich den technischen 1460 Höhenmetern stellen. Nur fünf
Teilnehmer brechen das Rennen vorzeitig ab und 338 erreichen das Ziel.
Für viele ist dieser Lauf eine große Herausforderung. “Er zählt zu den
schwierigsten Läufen im Alpenraum”, sagt der österreichische
Berglauf-Weltmeister Helmut Schmuck, der heuer erstmals mitlief. Am
Ende stand König die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. “Wir
wussten nicht, funktioniert das jetzt bis da hoch. Top. Ich habe ein
gutes Team.”

Impressionen vom Zugspitz Ultra-Trail

D-Day – auf dem Trail durch die Geschichte Europas

Annähernd 160 000 alliierte Soldaten landeten am 6. Juni 1944 an den Stränden der Normandie und führten in den frühen Morgenstunden diese Tages die größte militärische Landungsoperation durch, die die Welt bis heute gesehen hat. Das Ausmaß der Verluste bei dieser Operation überschreitet jegliche Vorstellungskraft. Am 6. Juni 1984 feierten Ronald Reagan, Margaret Thatcher, Königin Elisabeth II., François Mitterand und der kanadische Ministerpräsident Pierre Trudeau mit tausenden Veteranen den 40. Jahrestag des D-Day. Der deutsche Kanzler Helmut Kohl war zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingeladen, denn die Zeit hatte die Wunden auch nach 40 Jahren nicht geheilt. Als ich im März dieses Jahres einen Anruf aus Frankreich erhielt und gefragt wurde, ob ich als deutscher Soldat für den Ultra D-Day Traillauf zum 70-jährigen Gedenken an den D-Day zur Verfügung stände, war ich mir der Bedeutung dieser Veranstaltung bewusst. Der Lauf sollte eine Gruppe, bestehend aus sieben zivilen Läufern sowie sieben militärischen Läufern aus sieben verschiedenen Nationen über 100 Meilen, entlang der fünf Landungsstrände in der Normandie führen: Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword Beach.

© Michel Dehaye
© Michel Dehaye

Prinzipiell führen Trailläufe auf schmalen Pfaden abseits befestigter Wege durch die Landschaft. Darüber hinaus sind die Strecken von Ultra-Trails länger als die hinreichend bekannte Marathondistanz von 42,195km und häufig sind Berge inklusive. So ist es nicht allzu verwunderlich, dass neben mir auch Philipp aus Bad Reichenhall und Tom aus Graz zu den Bergspezialisten dieser sehr alten Sportart zählen. Eines ist sicher: Berge gibt es in der Normandie jedenfalls nicht! Das Teilnehmerfeld des Ultra D-Day umfasst außerdem Läufer aus den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Belgien und aus Polen. Allesamt stehen wir am Morgen des 12. Juni im feuchten Sand des Utah Beach und wissen nicht so recht, was uns in den folgenden Stunden bevorsteht.

© Tom Wagner
© Tom Wagner

70 Jahre nach der Landung der alliierten Truppen sind die Strände sauber, die Luft ist klar und ein Meeresrauschen liegt in unseren Ohren. Es ist schwer vorstellbar, wie sich vor 70 Jahren die Landungsboote ihren Weg durch diese Wellnessoase bahnten und die Soldaten mit klatschnassen Kleidern unter ohrenbetäubendem Lärm in den Kugelhagel liefen. Nach den ersten Metern am Strand nehmen uns französische Kinder bei der Hand und geleiten uns zur Eröffnungszeremonie. Das Medieninteresse ist gewaltig und das Klicken der Kameras erreicht seinen Höhepunkt, als die Nationalflaggen der Teilnehmer zusammen mit Roland, einem der französischen Läufer, am Fallschirm einschweben. Auch die Bundeswehr ist mit einem Kamerateam vor Ort.

Endlich laufen wir los. Die 17 Kilometer bis zum ersten Versorgungspunkt sind zäh, denn die Läufergruppe orientiert sich am schwächsten Läufer — eine völlig neue Erfahrung für uns Bergläufer. Für die Versorgungspunkte wurden die bedeutendsten historischen Stellen im Küstenverlauf im Abstand von 8 bis 24 Kilometern gewählt. Der erste befindet sich nahe der Ortschaft Carentan, einer schwer umkämpften Schlüsselstelle des D-Day. Der deutsche Soldatenfriedhof La Cambe hinterlässt bei mir gewaltigen Eindruck. 21 000 gefallene deutsche Soldaten liegen hier begraben. Während ich die Namen der Gefallenen auf den schwarzen Grabsteinen innerlich laut vorlese, überkommt mich ein seltsames Gefühl, denn die Namen klingen unheimlich vertraut.

Pegasus Bridge © Michel Dehaye
Pegasus Bridge © Michel Dehaye

Nach 60 Kilometern erreichen wir einen Versorgungspunkt am Omaha Beach und erste Verschleißerscheinungen treten bei uns Läufern hervor. Der Asphaltanteil der Strecke liegt oberhalb meiner Schmerzgrenze wie auch die Inhomogenität der Gruppe. Jason aus Kanada ist überzeugter Vegetarier, kann sich nach 60 Kilometern allerdings nicht mehr beherrschen: “Ahh, I think I am not really a Vegetarian anymore.” und stopft sich genüsslich zwei Schinkenschnittchen zwischen die Kiefer. Ich blicke noch einmal in den knallroten Sonnenuntergang, drehe mich um und trabe im Schein meiner Stirnlampe in die stille Nacht.

Gegen 24:00 Uhr laufen wir mit brennenden Fackeln zum britischen Friedhof in Bayeux. Ich bin mir nicht sicher, ob der Rauch der Fackel meines Vordermannes oder die Flammen der strauchelnden Belgierin neben mir das größere Risiko darstellten, ohne Zweifel war auch nach über 80 Kilometern höchste Konzentration angebracht. Der zeremonielle Teil dieser Station ist geprägt von einem massiven Hunger- und Kältegefühl und ich kann mir nur mühevoll ein Lächeln abringen. Immer mehr Läufer zollen der Belastung Tribut und müssen pausieren, mich eingeschlossen. Wie ein Segen erscheinen uns die ersten Sonnenstrahlen am frühen Morgen des 11. Juni und verleihen unseren müden Knochen frische Energie für die letzten 40 Kilometer nach Caen. Erst gegen 15:00 Uhr erreichen wir die Stadt, die infolge des D-Day fast völlig zerstört wurde. Zum Zielsprint treten wir gemeinsam mit 4000 französischen Kindern an. Ihr strahlendes Lachen, die kraftvoll wehenden Nationalflaggen und die Friedenstauben am Himmel bleiben mir wohl ewig im Gedächtnis und erinnern mich daran, in welch schönen und friedlichen Zeiten wir uns in Europa befinden.

Thomas is a German Trail Runner, Course Director for Ultra-Trail Races and a Journalist.

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