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Vorschau: 250 Kilometer durch die Namib

Wenn sich im Mai 2016 knapp 200 Ultraläufer aus über 40 Nationen in der Wüste Namib treffen, betreten sie ein lebendes Museum von unglaublicher Schönheit und Komplexität. In sechs Etappen werden die Läufer 250 Kilometer in der trockensten und ältesten Wüste der Erde bewältigen und dabei völlig unberührt Gebiete durchqueren.

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Ein warmer Wüstenwind weht durch das Cockpit, während unser Flugzeug über einen breiten Dünengürtel schwebt. Zwischen den majestätischen Dünen verstecken sich keine, grüne Inseln und grazile Marmorreliefs. Die Skelettküste im Nordwesten Namibias ist eine unzugängliche und einsame Region. Touristen dürfen diesen Bereich nicht betreten. Aus der Luft sieht die Landschaft aus wie ein abstraktes Gemälde: Schwarze, rote und gelbe Linien zeichnen ein Gemälde wie auf einer Leinwand. Sie ist die älteste Wüste der Welt und hat viel gesehen und erlebt. Über 1000 Schiffswracks liegen versunken im Sand und sind stille Zeugen von zahlreichen Tragödien, die sich hier abgespielt haben. Statt Zuflucht erwartete die Gestrandeten am rettenden Ufer die erbarmungslose Hitze eines der trockensten Orte unseres Planeten. Die Schiffswracks und Knochen gaben der Skelettküste ihren Namen.

Hyänenspuren führen zum  Wrack
Hyänenspuren führen zum Wrack

Eine besonders spektakuläre Rettung ereignete sich im November 1942. Das britische Frachtschiff Dunedin Star strandete vor der Küste mit 85 Personen Besatzung und 21 Passagieren. Ein Teil der Passagiere konnte das Ufer erreichen, bevor das Rettungsbot zerbrach. Während der Rettungsmission sollte ein nagelneues Flugzeug Wasser und Lebensmittel für die Schiffbrüchigen abwerfen. Da die Masse der Vorräte beim Auftreffen zerstört wurde, entschied sich der Pilot des Rettungsflugzeugs zur Landung. Dies war eine fatale Entscheidung. Der nagelneue Lockheed Ventura Bomber landete auf einer Salzebene und versank im Sand. Ein Konvoi der südafrikanischen Armee machte sich auf den 950 Kilometer langen Weg zu den Hilfesuchenden. Drei weitere Flugzeuge warfen daraufhin Proviant und Wasser für die Gestrandeten ab und versorgten außerdem den Rettungskonvoi. Bei der Rettung waren auch Schiffe beteiligt. Eines davon versank mit zwei Personen an Bord Besatzung und Passagiere der Dunedin Star waren nach 27 Tagen gerettet.

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Die Namib ist keine gewöhnliche Wüste. Im Westen trifft sie auf eine der nährstoffreichsten und fischreichsten Meeresströmungen der Erde — den Benguelastrom. Ihre Pflanzen- und Tiere haben sich auf spektakuläre Weise die extremen Bedingungen angepasst.

Welwitschia mirabilis
Welwitschia mirabilis

Die Welwitschia mirabilis ist Teil des Wappens Namibias und trinkt Küstennebel. Obwohl sie bis zu 2000 Jahre alt werden kann, besitzt sie lediglich zwei Blätter und die lebenswichtige Fähigkeit, Wasser vom Tau der Blätter aufzunehmen.

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Wenn die Flussbetten austrocknen, bleiben wenige Wasserstellen übrig. Wüstenelefanten legen auf ihrem Weg zu Wasserstellen bis zu 80 Kilometer pro Nacht zurück und Oryxantilopen können ihre Körpertemperatur tagsüber auf 40 Grad Celsius anheben, um die Hitze zu überstehen. Sie benötigen kein Trinkwasser und können es auch ausschließlich über ihre Nahrung aufnehmen.

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Läufer sind deutlich schlechter angepasst. Sie werden deshalb alle zehn Kilometer mit Wasser versorgt. Ihre Ausrüstung und Nahrung tragen sie bei einem 4Deserts-Lauf im Rucksack bei sich. Die Rucksäcke wiegen zwischen sechs und fünfzehn Kilogramm. Die Läufer mit leichteren Rucksäcken liegen in der Platzierung erfahrungsgemäß weiter vorn. Übernachtet wird im Gemeinschaftszelt und Duschen gibt es erst weit hinter der Ziellinie. Wer dieses Abenteuer übersteht, ist danach ein anderer Mensch.

Oryx-Antilopen
Oryx-Antilopen

Vorschau: Gobi March 2015 – Eine Karawane der besonderen Art

Der Gobi March zählt zu den härtesten Wüstenrennen, denn er führt seine Teilnehmer in eine der entlegensten Regionen der Erde – die Wüste Gobi. In diesem Jahr war ich mit der Planung einer neuen Strecke beauftragt und gebe hier einen Ausblick auf das, was die Läufer während ihres einwöchigen Abenteuers erwartet.

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Vom Weltall sieht sie aus wie eine trockene Pfütze mitten in Zentralasien. Ihre Ausmaße sind gigantisch und sie ist umgeben von den höchsten Gebirgsketten unserer Erde: den Kunlun Bergen im Süden und gleich dahinter dem Himalaya, dem Pamir im Westen und im Norden dem Tien Shan. Die Wüste Gobi ist berüchtigt für ihr extremes Klima, ihre karge, steinige Landschaft. Plötzlich auftretende Stürme lassen den Tag zur Nacht werden und haben in der Vergangenheit ganze Karawanen von Reisenden verschlungen. Die Menschen in dieser Region haben sich angepasst. Sie haben gelernt, zu überleben. Ihre braungebrannten, faltigen Gesichter und ihre rauen, furchigen Hände zeichnen ein Bild von einem Leben in den Extremen.

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Mit der zwölften Austragung des Gobi Marches zieht erneut eine Karawane durch die karge Einöde. Ultraläufer aus über 40 Nationen haben sich in der chinesischen Provinz Xinjiang verabredet, um in sechs Tagen 250 Kilometer zu Fuß und nahezu autark zurückzulegen. Dabei werden sie schwitzen, bluten, Tränen werden fließen und es werden Freundschaften fürs Leben geschlossen. Viele wird dieser Lauf für immer verändern und für einige wird es das Abenteuer ihres Lebens. Was erwartet die Teilnehmer des Gobi March im Jahr 2015?

Die Region um die Oase Hami war bereits 2006 Austragungsort für den Gobi March. Die Reisenden auf der Seidenstraße schätzen Hami besonders für seine süßen Melonen, die großen Rosinen und den herrlichen Wein. Hami ist das östliche Tor nach Xinjiang und mittlerweile zu einer chinesischen Großstadt mit geraden Straßen und Betonhäusern gewachsten. In den schmalen Gassen abseits der verkehrsbeladenen Hauptstraßen herrscht jedoch noch immer die Ruhe und Gelassenheit einer Wüstenoase.

Direkt hinter dem Hotel, das die Läufer des Gobi March 2015 beziehen werden, liegt der Duft von gegrilltem Schaffleisch in der Luft. Nebenan verkauft ein Händler die saftig-süßen Früchte der Region. Zahlreiche Minoritäten wie Uiguren, Hui, Kasachen und Mongolen sind hier zu Hause. Schaffleisch in allen Varianten bildet das Grundgerüst aller Speisekarten in Hami. Schaffleisch gegrillt, gekocht oder gebraten als Hauptspeise oder kalte Knochen als Snack zwischendurch.

Erste Etappe

Von Beginn an werden die Läufer sprachlos gelassen. Das erste Zeltlager liegt inmitten bizarrer rotbrauner Steinformationen und nicht zuletzt auf einer Höhe von 2400 Metern. Vorbei an Nomadenhäusern und durch steile Schluchten schlängelt sich ein schmaler Pfad hinaus in die weiten Grasebenen Dschingis Khans. Mit etwas Glück sind Reiter zu sehen und einzelne Kamelherden grasen friedlich im satten Grün. Nach etwa 25 Kilometern ragt mitten im Grün eine gigantische Sanddüne empor. Gleich daneben befindet sich der dritte Checkpoint und die letzte Verpflegung vor dem zweiten Zeltlager.

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Zweite Etappe und dritte Etappe

Eine Schotterpiste schlängelt sich auf einen 2770 Meter hohen Bergpass des Tien Shan hinauf. Am höchsten Punkt ruht ein Kloster, vor dessen Pforte ich im März noch hüfttief im Schnee steckte, während unser Fahrer einen steckengebliebenen Geländewagen aushob. Wir waren die ersten Besucher nach dem strengen Winter. Langsam windet sich die Straße vom Pass hinab und eröffnet immer wieder den Blick in das schier endlose Becken um Hami. Knochenbrecherische Gerölllandschaften mit messerscharfen Steinen gewähren genug Raum für einen schmalen Pfad durch die Ausläufer des Tien Shan. Dazwischen verstecken sich malerische Oasen mit Schafherden und Aprikosenbäumen.

Vierte Etappe

Diese Etappe schließt den Bogen vom Gebirge zur Wüste. Um von den Ausläufern des Tien Shan in das Hami-Becken zu gelangen, muss eine breite Fläche aus Geröll und Büschen durchquert werden. Dazwischen verlaufen Wassergräben und am Horizont zeichnen sich die Silhouetten der Skyline von Hami ab. Sind die deutlichen Zeichen unserer Zivilisation passiert, betreten die Athleten den Boden der Wüste um Hami. Nahe eines Dorfes, das wir Aprikosendorf getauft haben, ragen rote Steinformationen empor. Dort befindet sich das Camp Fünf.

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Fünfte Etappe – The Long March

Bereits mit den ersten Schritten betreten die Läufer den pechschwarzen Boden der Wüste Gobi — wir nennen sie Schwarze Gobi. Die flimmernde Luft lässt den Horizont verschwimmen und manchmal meint man, in der Ferne einen Ozeanteppich zu erkennen. Einige nennen das Fata Morgana. Schon bald stehen bizarre Formationen wie einsame Säulen inmitten dieses schwarzen Meeres. Über Jahrtausende haben Wind und Sonne hier Kunstwerke geschaffen, die hiesige Adlerpärchen jetzt als Nistplätze missbrauchen. Nur wenige Menschen verirren sich in diese Gegend. Das sechste Zeltlager erwartet die Läufer vor einer besonders imposanten Formation, die den Einheimischen als Heilige Frau geläufig ist.

Bizarre Skulpturen inmitten der Wüste
Bizarre Skulpturen inmitten der Wüste

Die letzten Schritte

Die letzten Schritte des Rennens bringen die Läufer über knappe 15 Kilometer bis ins ersehnte Ziel. Wer auf dem Weg genau hinsieht, kann auf dem Boden die eine oder andere wertvolle Überraschung entdecken. Was die Läufer im Ziel erwartet, kann ich an dieser Stelle nicht schreiben. Nur so viel sei verraten: Der Zieleinlauf ist bisher bei jedem Läufer ein unvergessliches Erlebnis geblieben.

Informationen

Weitere Informationen zum Rennen findet ihr unter:

www.4deserts.com/gobimarch

Für die Anreise empfehle ich folgende Varianten:

  1. Flug nach Urumqi, dann Zug nach Hami
  2. Direktflug nach Hami von einem der großen Hubs

Weitere Informationen zur Reiseplanung liefert der Veranstalter.

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Wer das Rennen mit einer Chinareise verbinden möchte, dem lege ich wärmstens Country Holidays als Veranstalter ans Herz.