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Radtour durch die Vulkanlandschaft

Was macht ihr als erstes, wenn ihr in einem fremden Land ankommt? Richtig, ihr sucht einen WiFi-Hotspot, geht zu Craigslist und kauft ein gebrauchtes Fahrrad. Warum? Dazu später mehr.

Für 99 Dollar war ich stolzer Besitzer eines Rennrades, das umgehend im Kofferraum meines Leihwagens verschwand. Zum Glück sind auch die Kleinwagen in den Staaten grundsätzlich etwas größer als unsere europäischen Pendants.

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Gestern wollte ich meinen neu erworbenen Drahtesel endlich ausprobieren, denn so viel Vertrauen hatte ich in das alte Gefährt dann doch nicht und Überraschungen sind nicht immer willkommen. Kurzerhand fuhr ich auf einen Parkplatz etwas außerhalb von Flagstaff, packte das Rad aus und es konnte losgehen. Leider war das Sattelrohr etwas zu kurz. Folglich saß ich wie eine eierlegende Ente auf dem Rad und rollte zunächst noch frohen Mutes über die amerikanische Landstraße. Nach knapp zehn Minuten fühlte sich mein Drahtesel bereits an, als ob der Esel mit dem Schwanz wackelt. Ein Blick auf das Hinterrad sorgte für Ernüchterung: Der Hinterreifen war dabei sich auszulösen. Kurzerhand machte ich kehrt und rollte zurück in Richtung des rettenden Autos. Etwa 500 Meter vor dem Parkplatz gab es einen lauten Knall und der Hinterreifen war endgültig platt.

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Schiebend entschloss ich: Also gut, das Rad muss zur Reparatur. Per GPS machte ich eine Radwerkstatt ausfindig. Meine Bestellung lautete: “Bitte zwei neue Reifen, zwei Schläuche und eine Sattelstütze.” Die Jungs staunten nicht schlecht beim Anblick meiner Reifen, halfen aber umgehend.

Etwas später startete ich den zweiten Versuch in der Nähe vom Sunset Crater. Eine reizvolle Schleife durch die Kraterlandschaft wäre circa 80 Kilometer lang. Da noch fünf Stunden bis Sonnenuntergang waren, dachte ich: machbar!

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Das Rad rollte mit den neuen Reifen gut bergab, doch bergauf kam ich nicht in Schwung. Scheinbar war das Problem weniger der schwere Stahlrahmen oder die aktuelle Höhe von über 2000 Metern, sondern eher die ineffiziente Mechanik und die kurzen Kurbeln. Als ich nach einer Stunde erst zwanzig Kilometer zurückgelegt hatte und von meiner halbgrünen Lavalandschaft in die Painted Desert — eine Wüste im Nordosten Arizonas — rollte, schaltete ich beim GPS neben Gesamtanstieg auch Gesamtabstieg dazu. Die offenbarte einiges: Bisher hatte ich etwa 150 Meter Anstieg bewältigt aber tatsächlich schon 500 Meter Abstieg. In Anbetracht der fortgeschrittenen Uhrzeit und meiner Wasservorräte von einem halben Liter, entschied ich mich zum kontrollierten Rückzug.

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Mit der längeren Sattelstütze schniefte ich im Ententempo die Hügel hinauf zurück, natürlich mit Gegenwind. Es roch nach Kiefern und zu beiden Seiten erstreckte sich eine schwarze, wilde Lavalandschaft mit Kiefernhölzern und trockenen Büschen. Das Gras flimmerte goldgelb im Sonnenlicht und ich stellte mir vor, wie hier diese riesigen Büffel grasen — das ist der Wilde Westen! Die Schaltung meines Rades ratterte, aber funktionierte tadellos und ich kam voran. Wenige Kilometer vor meinem Auto erstarrte ich förmlich auf dem Rad. Direkt vor mir gleitet eine Schlange mit einem guten Meter Länge gemütlich über die Straße.

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Kurzerhand flog mein Drahtesel auf die Seite und ich lief in sicherem Abstand mit Kamera in der Hand hinter dem Reptil her. Ein Teleobjektiv hätte ich hier dem Weitwinkel vorgezogen. Unbeeindruckt setzte sie ihren Weg fort und ich fragte mich: Was zur Hölle ist das für eine Schlange? Das Muster ähnelte meinen Erinnerungen an eine Klapperschlange, aber die Klapper fehlte. Wie praktisch, dass nach wenigen Kilometern ein Besucher-Zentrum am Weg lag, wo ich nachfragen konnte. Es handle sich um eine Gopher-Snake, teilte mir die junge Frau mit — nicht giftig. Am Auto angekommen, packte ich den Drahtesel weg und trank den letzten Tropfen Wasser aus — Test bestanden, dachte ich.

Garmin Forerunner 630

Der Garmin Forerunner 630 überzeugt mich wie bereits sein Vorgängermodell durch sein geringes Gewicht, die geringe Größe und die integrierte WLAN-Funktionalität. Wer den Touch-Screen mag, der findet hier ein weiteres Argument für die 630 im Vergleich zu den Versionen 230 und 235. Nach dem Training müsst ihr euch keine Gedanken über die Datenübertragung machen, denn die Uhr lädt die Trainingsdaten im Heimnetzwerk ganz problemlos zum Web-Portal Garmin Connect und wertet sie aus. Bei der neuen 630 wurde die Anzeige vergrößert und die Uhr empfängt nun zusätzlich die Signale der GLONASS-Satelliten. Außerdem ist die 630 ein vollwertiger Fitness-Tracker, der eure Bewegungen im Tagesverlauf aufzeichnet und euren Schlaf auswertet.

© Garmin

Deutliche Verbesserungen gibt es bei den Running-Dynamics-Daten, die zur Verbesserung des persönlichen Laufstils beitragen sollen:

  • Schrittfrequenz
  • Bodenkontaktzeit
  • Balance Bodenkontaktzeit
  • Vertikale Bewegung
  • Schrittlänge
  • Vertikalverhältnis

Auch wenn diese Daten unter Umständen hilfreich sein können, überzeugen sie mich im Gelände nicht hundertprozentig. Auch der Stress-Wert scheint eher einen groben Anhalt zu bieten als einen genauen Ruheindikator.

Während des Tests fiel mir auf, dass die Knöpfe am rechten Rand des Uhrengehäuses oft versehentlich am Handgelenk auslösten. Mit einer Tastensperre lässt sich die zwar unterdrücken, jedoch sind dann alle Tasten gesperrt.

Insgesamt ist die 630 eine zuverlässige und extrem leichte Laufuhr und Smartwatch, die sich in erster Linie durch WLAN und Touchscreen von den kleineren Geschwistern der 200er-Serie absetzt.

Forerunner 630
Preis (UVP) 399 €
Gewicht 43g
Barometrischer Höhenmesser nein
Betriebszeit Uhrmodus 4 Wochen
Betriebszeit Trainingsmodus 16 Stunden
Wasserdichtigkeit Baden, Duschen

Die Fenix 3 im Langzeittest

Stilvoll, smart und solide – Die neue Garmin Fenix 3 erobert die Trails mit präziser Genauigkeit in feiner, harter Schale. Die graue Fenix 3 hat mich sowohl im Schneesturm bei minus 14 Grad als auch in die Sandstürme der Wüste Gobi begleitet und dabei keinen Kratzer davongetragen.

So mancher Betrachter hält die Uhr zunächst für eine Analoguhr mit Zeigern. Das neue, hochauflösende Farbdisplay lässt die digitalen Zeiger täuschend echt erscheinen und gibt der Fenix ganz neue Möglichkeiten.

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Russische Satelliten

Unter ihrem robusten Metallgehäuse verbirgt die Fenix sensible GPS-Empfänger für die amerikanischen Satelliten sowie für die der Russen. Die Positionsbestimmung dauert an einem neuen Ort mit ein bis zwei Minuten recht lang. Allerdings werden die letzten Positionen zwischengespeichert und eine erneute Satellitensuche an Orten in der Nähe dauerte im Test anschließend keine fünf Sekunden. Außerdem wählt die Fenix 3 automatisch die korrekte Zeitzone, was sie auf Reisen zu einem hilfreichen Begleiter werden lässt. Höhenmesser, Barometer und Kompass benötigen zum Betrieb kein GPS, können aber per GPS automatisch kalibriert werden. Das spart ordentlich Energie und Zeit.

Vergleich mit dem GPSMap 64s

Meine Hausrunde eignet sich hervorragend zum Vergleich der Fenix 3 mit dem großen Bruder GPSMap 64s. Die Laufrunde führt über sieben Kilometer auf schmalen Trails durch die Voralpen nahe Garmisch-Partenkirchen. Teile des Trails sind ausgesetzt, andere sind dicht bewaldet und stellen damit eine Herausforderung für GPS-Geräte dar. Das folgende Bild zeigt die aufgezeichneten Tracks beider Geräte. Der Track der Fenix 3 ist dabei rot dargestellt, der des GPSMap 64s blau.

Vergleich Fenix 3 - GPSMAP 64s

Das Aufzeichnungsintervall betrug bei beiden Geräten 1s und sie wurden beide am linken Arm getragen. Beide Geräte zeichneten sowohl mit den amerikanischen Satelliten als auch mit GLONASS auf.

Der Vergleich trifft keine Aussage über die Genauigkeit beider Geräte, welches Gerät die genaueren Werte liefert, ist nicht bekannt. Die Abweichung der Messwerte lässt trotzdem Rückschlüsse zu. Die Abweichung der gemessenen Distanzen beträgt mit 200 Metern knapp 3%. Das sind auf 100 Kilometer immerhin 3 Kilometer Unterschied. Sowohl die Fenix 3 als auch das GPSMap 64 zeichnen in diesem für GPS-Geräte anspruchsvollen Gelände einen Trail auf, der nah am gelaufenen Original liegt. Bei genauem Betrachten fällt auf, dass das GPSMap auch kleine Haken berücksichtigt, während die Fenix 3 diese vernachlässigt.

Hier die Messwerte:

GPS Fenix 3 GPSMap 64s 
Aufzeichnungsintervall 1s 1s
Gesamtdistanz 7,2km 7,4km
Anstieg 667 674m
Abstieg 668 676m
Ausgangshöhe 664 675
maximale Höhe 1326 1327

Die Höhenmesser beider Geräte kalibrieren sich beim Einschalten automatisch, deshalb sind die Ausgangshöhen beider Geräte unterschiedlich. Die maximale Höhe beider Geräte bei diesem Lauf ist erstaunlich ähnlich, obwohl die angegebene Höhe des Berges mit 1368 Metern noch etwas darüber liegt. Das folgende Foto zeigt die Höhenangabe der Fenix 3 auf dem Gipfel des Wank bei Partenkirchen in einer Höhe von 1780 Metern mit automatischer Konfiguration.

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Drahtlose Vielfalt

Der Akku der Fenix 3 hält im GPS-Modus mindestens 18 Stunden und im UltraTrac-Modus mit geringer Aufzeichnungsrate maximal 50 Stunden. Im Test hatte war Bluetooth permanent aktiviert, um meine Trainingseinheiten automatisch mit dem Smartphone zu synchronisieren. Dazu musste die Uhr ungefähr alle drei Tage aufgeladen werden. Die Bluetooth-Schnittstelle ermöglicht außerdem einige Smartwatch-Funktionen: So werden Anrufe und Nachrichten, die vom Smartphone kommen, per Vibrationsalarm von der Uhr angezeigt. Während dieser Aktivität kam es im Test zum einzigen Ausfall, bei dem die Uhr manuell zurückgesetzt werden musste. Zum Reset muss die Lichttaste 25 Sekunden lang gedrückt werden, bis die Uhr ausschaltet. Anschließend kann sie durch das Betätigen der Lichttaste wieder eingeschaltet werden.

Die Fenix 3 besitze eine ANT+-Schnittstelle zur Anbindung externer Sensoren wie zum Beispiel einen Brustgurt. Die integrierte WiFi-Funktionalität fällt in die Kategorie willkommener Luxus. Sie ermöglicht die Synchronisation der Trainingsdaten im Heimnetzwerk, während ihr unter der Dusche steht.

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Konfiguration am Handgelenk

Als Ultraläufer könnt ihr die Uhr auch im Zelt während des Wüstenlaufes umkonfigurieren, denn die Konfiguration kann nahezu vollständig ohne PC am Handgelenk erfolgen. Die Konfigurationsmöglichkeiten sind schier endlos. Besonders hilfreich finde ich die neue AutoClimb-Funktionalität, die ab einer Steigung von 2-3% automatisch auf eine Anzeige mit Steigungsdaten anzeigt. Während langer Anstiege habt ihr so die wichtigen Informationen automatisch im Blick.

Die AutoLap-Funktion ermöglicht die Konfiguration von Rundenzeiten nach Distanz. Bei langen Läufen lassen sich so damit die Zwischenzeiten gut überwachen.

Eine für mich überflüssige Funktion ist die Überwachung meiner Tagesaktivitäten wie Schrittzahl und zurückgelegte Distanz im Alltag. Der Inaktivitätsalarm schien völlig wahllos auszulösen und wurde von mir genervt deaktiviert.

Garmin Fenix 3
Garmin Fenix 3

Brauchbares Navi

Dank hochauflösendem Farbdisplay ergeben sich vielfältige Möglichkeiten zur Navigation: Aktivitäten, Strecken oder GPS-Punkte können über Garmin Connect auf die Uhr übertragen werden. Anschließend zeigt euch das Display eine kleine Karte an und führt euch zum Ziel. Während der Navigation entlang einer Route werden Abweichungen vom Track durch Warnungen signalisiert und die Fenix 3 berechnet eine geschätzte Ankunftszeit. Falls ihr euch mal verlaufen habt, bringt euch die TracBack-Funktion wieder zum Ausgangsort zurück — eine Funktion, die ich in unbekannten Regionen unglaublich praktisch finde.

Die Übertragung von Tracks auf die Uhr geht problemlos per Smartphone und per PC. Leider lassen sich GPS-Tracks aber nur am Computer und noch nicht per Smartphone-App in Garmin Connect übertragen. Ich habe zum Beispiel einen Track mit der Smartphone-APP GPSies gefunden, lade diesen auf meinem Telefon als Datei runter und kann ihn ohne den Umweg PC nicht auf die Uhr übertragen.

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Zusammenfassung

Die Fenix 3 ist mein treuer Begleiter im Alltag geworden. Das Design wirkt sportlich robust und trotzdem elegant. Die zahlreichen Funktionen der Uhr suchen bis dato ihresgleichen auf dem Markt. Besonders auf Langstrecken im Gelände ist die Fenix 3 hilfreich. Nach dem Lauf schreit sie nicht gleich nach dem Datenkabel, sondern kooperiert mit Android und iPhone. In Zukunft stehen für die Uhr mit Connect IQ auch Apps und Widgets bereit. Damit hat Garmin eine Lücke zu Suunto geschlossen.

In diesem Review habe ich einige der Funktionen der Fenix 3 vorgestellt, die für mich als Ultra-Läufer von besonderem Interesse sind. Die Informationen im Test stammen aus meinen Erfahrungen, Produktbeschreibungen des Herstellers sowie vom herausragenden Blog von Ray Maker. Falls ihr falsche oder unvollständige Informationen im Beitrag findet, schreibt mir einfach oder hinterlasst einen Kommentar.

GPS-Uhr Garmin Fenix 3
Preis (UVP) 499 €
Gewicht 82g
Barometrischer Höhenmesser ja
Kompass 3-Achsen
Akku-Betriebszeit (mit GPS) 16-50 Stunden
Akku-Betriebszeit (ohne GPS) 3 Monate
Wasserdichtigkeit schwimmtauglich
Aufzeichnungsintervall ab 1s

Thomas